Die Schulgeschichte von Wilsum

Im Archiv der Schule findet sich dieser Aufsatz des ehemaligen Schulleiters der Volksschule Wilsum.

Heinrich Eberhardt

Die Schulgeschichte von Wilsum
Der älteste Lehrer in Wilsum - aller Voraussicht nach stammt er aus dem Bispinkschen Haus - war Gerd Kösters. Er waltete seines Amtes bis zum Jahre 1802. Ihm folgte der Lehrer Rooseboom - ebenfalls ein Wilsumer - "von der Stätte, die jetzt Nyland bei Schoneveld bewohnt."
Wie überall in den Schulgemeinden der Niedergrafschaft war es üblich, dass der Lehrer von den Gemeindegliedern aus ihrer Mitte gewählt wurde. Man wählte natürlich den aufgewecktesten und solche, die gerade für diesen Beruf eine besondere Vorliebe besaßen. Nach einer Prüfung vor dem Oberkirchenrat konnten sie ihren Dienst antreten. Der Lehrer Rooseboom unterrichtete noch in holländischer Sprache und war in Wilsum Lehrer bis zum Jahr 1862.
Er feierte 1852 sein 50jähriges Jubiläum unter großer Beteiligung der Wilsumer Bevölkerung. Über das Jubiläum des Lehrers Rooseboom können wir in den Aufzeichnungen von Pastor Visch lesen:
"Am 26.Mal 1852 feierte unser Schulmeister H. Roseboom sein 50 jähriges Dienstjubiläum. Ein Ehrenbogen war vor der Schule errichtet worden. Des Vormittags um ein halb 10 Uhr wurde er durch den Oberschulinspektor Fokke, dem Predikanten Visch und dem Kirchenrat zur Schule geleitet und durch eine Anzahl von 30 Kindern mit einem entsprechenden Gesang empfangen. Danach begaben sich diese Kinder unter dem Geleit des Sohnes unseres treuen H. Rooseboorn nach Uelsen zur Kirche, setzten sich bei der Orgel hin und sangen bei leiser Begleitung einen entsprechenden Gesang.
Hierauf stieg Herr Rooseboom auf die Kanzel und hielt nach Verlesung von Sprüche 22,6 (Wie man einen Knaben gewöhnt, so lässt er nicht davon, wenn er alt wird) eine kurze Ansprache, die von der anwesenden Gemeinde, den Schulmeistern der Niedergrafschaft, dem Oberschulinspektor und den Schulkindern begeistert aufgenommen wurde. Mit einem von den Schulkindern gesungenen Schlussgesang endete die Feier. Der Oberschulinspektor versicherte im Namen der Hohen Regierung, dass diese sehr zufrieden mit der langen Amtstätigkeit des Jubilars war. Er gab diesem die schriftliche Versicherung für eine jährliche Zulage zu seinem Gehalt von 30 Talern. Die Gemeinde gab ihm ein Geschenk von 73 Gulden. Die Amtsgenossen bekundeten ebenfalls ihre Achtung. Die Kirche war voll. Aus allen Nachbargemeinden war man zu diesem Fest herbeigeströmt. Nachdem die Kirchenfeierlichkeiten beendet waren, sangen der Oberschulinspektor, die anwesenden Sluyter aus Lage, Groo aus Emlichheim, E. Emeritus aus Uelsen, der Kirchenrat und die Schulmeister ein festliches Lied, womit sie den Jubilar aufs höchste beglückten."
Im Jahre 1855 - wahrscheinlich wegen des vorgerückten Alters von Lehrer Rooseboom - wurde ihm zur Unterstützung der Lehrer Schütte aus Bentheim zugeteilt. Er hatte schon das von Oberinspektor Fokke in Neuenhaus eingerichtete Lehrerseminar durchlaufen. Er unterrichtete schon in deutscher Sprache, obwohl der Schulte Bispink das Schreiben an den Oberkirchenrat geschickt hatte. Damit man einmal sieht wie gering das Gehalt eines Lehrers war, so steht dort, dass er ein Gehalt von 535 Mark bezog.
Im Jahre 1880 feierte er sein 25jähriges Jubiläum und wie die Chronik sagt, unter großer Anteilnahme der Bevölkerung. Im Jahre 1888 wurde er pensioniert und kehrte mit seiner Familie nach Bentheim zurück. Die Gemeinde wählte dann im selben Jahr den Lehrer Biermann aus Lengerich bis dahin Lehrer in Critzum in Ostfriesland.
Wann das erste Schulgebäude in Wilsum erstellt worden ist, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Auf jeden Fall erfahren wir, dass das alte Schulgebäude um 1880 so baufällig geworden ist, dass die Gemeinde sich genötigt sah, ein neues zu errichten. Allerdings muss man sich schon Jahre mit dem Gedanken getragen haben, eine neue zu errichten, denn in den Kirchenratsprotokollen heißt es unter dem 22.11.1878:
„Tot eene niewe Schole zal met de Markendeling voorlopig 1000 Taler reserverd worden.“
Im Protokoll vom 17.7.1882: „Et is eenparig door de Gemende besloten worden, im Jaar 1883 eene niewe Schole te bauen“.
Protokoll vom 5.2.1883: „De Kosten, de den Schulbau....“
Zum Glück liegt der Kostenvoranschlag eines neuen Schulgebäudes für die reformierte Schulgemeinde Wilsum vollständig noch in der Schule vor. Es ist nur schade, dass Lehrer Biermann sie in der Schulchronik nur kurz erwähnt. Auf jeden Fall erfahren wir: „...dass die Schule an derselben Stelle, wo die alte baufällige gestanden hat, errichtet wurde, in unmittelbarer Nähe der ref. Kirche. Am 18.0ktober 1883 wurde die Schule eingeweiht. Dieser Tag war für Lehrer und Schulkinder ein Freudentag.“
Am 1. Dezember 1890 hatte Wilsum 748 Einwohner, im Jahre 1905 waren es bereits 915. Im Jahre 1905 musste die 2. Lehrerstelle besetzt werden, nach 2 Lehrkräften, die nur sehr kurz hier waren, wurde im Jahre 1910 Herr Leesmann nach hier versetzt. Die Kinderzahl betrug in diesen Jahren um 160 Kinder. Vorübergehend wurde Herr Leesmann nach Hohenkörben versetzt, aber mit dem Ende des Krieges kam er zurück nach Wilsum.
Bereits im Jahre 1915 standen allein aus Wilsum 105 Männer unter Waffen. 25 Wilsumer mussten in diesem unseligen Krieg ihr Leben lassen. Zum Kriegsanfang heißt es in der Chronik: „Am 1. August 1914 - es war ein Sonntag - füllte sich unsere reformierte Kirche zum letzten Mal mit den ausziehenden Kriegern. Bange und trostsuchend blickte mancher in die Zukunft, dann aber ging es mit Gott, für König und Vaterland hinaus in den Kampf.“
Vom Kriegsende gab uns Herr Leesmann einen ergreifenden Bericht:
„Der Krieg! Der Krieg! Man spürte ihn auf Schritt und Tritt, in allen Äußerungen des Lebens. Man spürte ihn ums so mehr, je länger er dauerte. Man spürte ihn nicht nur drückend in allen wirtschaftlichen Verordnungen und deren Niederschlag. Man spürte ihn auch im Beruf. Es gab hier fast keine Familie, die nicht mittelbar oder unmittelbar am Kriege teil hatte. Sie alle litten mit unter der Sorge um die da draußen, um derentwillen sie Frieden möchten. In dieser Hoffnung hielten sie sich lebendig, fanden in der Hoffnung auf bessere Zeiten den Atem, allein mit sich und der Welt zu ringen und ihre Welt zu gestalten. Man erledigte die Landarbeit selbst, warf den Dünger auf die Scholle, trat hinter den Pflug und pflügte, man lernte das Säen, Dreschen, machte Botschaften in die Stadt, pflegte, hegte, erzog die Kinder und vergaß den Einen nicht, der an der Front kämpfte. Die Hochherzigen nahmen auch ein hungriges Kind aus der Stadt an ihren Tisch. Die Arbeit, so unmöglich sie erschien, wurde geschafft. Der Nachbar half, die Jungen waren voll Eifers. Nachher schimmerte der Kamp von grünen Saaten.
Und nun ist Friede und alles war umsonst."
Auffällig in diesen Jahren war das ständige Sinken der Kinderzahl. Sie war in den Nachkriegszeiten von 176 auf 128 zurückgegangen. Herr Leesman sah den Hauptgrund wohl in der sinkenden Zahl der Neusiedlungen. In Wilsum waren in den Jahren von 1875 an 111 Neubauerstellen entstanden, mehr als die Zahl der alten markenberechtigten Höfe (93). Der Bauersohn, der strebsame Knecht fingen
nach der Markenteilung auf einer Fläche von 20 - 30 Morgen Ödland klein an und hatten im Laufe der Jahre, wenn nicht besondere Unglücksfälle eintraten, ihr gutes Auskommen und oft nach nicht allzu langer Zeit ein schuldenfreies Anwesen. Daher auch die schnelle Entwicklung der Wilsumer Schule seit jener Zeit. Jetzt aber trat eine Umkehrung ein, denn viel strebsame Kräfte gingen dem Land verloren. Mit Fahrrad, Autobus und Eisenbahn strömten sie nach Nordhorn in die Fabriken. Das flache Land bot diesen Leuten nicht mehr die Existenz.
Als im Jahre 1928 Lehrer Dunkmann nach Ratzel versetzt wurde, kam Herr de Vries nach Wilsum. Doch 1936 wurde er schon wieder nach Hohenkörben versetzt. Als aber am letztem Schultag des Schuljahres 1952/53 Herr Leesmann unter der Anteilnahme der ganzen Gemeinde in den Ruhestand trat, kam Herr des Vries wieder an seine Stelle. Die Schulverhältnisse hatten sich in dieser Zeit wesentlich verbessert. Das Schulgebäude war vergrößert worden, 4 Lehrkräfte waren vorhanden und Lehrerwohnungen waren gebaut worden. Die Schülerzahl waren so gestiegen, dass man Überlegungen traf, eine neue Schule zu bauen.
Wie Wilsum mit den Schwierigkeiten fertig wurde, zeigt uns das Protokoll der öffentlichen Gemeindeversammlung vom 11.3.1964: „Das alte Schulgebäude ist an die Firma H. Kronemeyer (WKS) für 155 000 .- DM verkauft. Das bedeutet, dass auch die Lehrerdienstwohnungen in der alten Schule mussten geräumt werden." Neue Wohnungen mussten beschafft werden, diese Schwierigkeiten wurden auch großzügig gelöst.
Am 28.4.1964 konnte die neue Schule mit dem Dorfgemeinschaftshaus unter Anteilnahme der ganzen Bevölkerung und Vertretern von Land und Kreis vom Bürgermeister Maatmann eingeweiht werden.
Mit Wirkung vom 1.2.1966 wurde Hauptlehrer de Vries zum Rektor und Frl. Bielefeld zur Konrektorin befördert. Rektor de Vries, der schon seit Beginn des Schuljahres wegen einer Erkrankung seinen Dienst nicht mehr versehen konnte, trat am 1.12.67 in den Ruhestand.
Am 1. April 1968 wurde Hauptlehrer Heinrich Eberhardt von der Hauptschule Groß - Ringe als Rektor nach Wilsum versetzt. Durch die Zusammenlegung der Schulen Wilsum, Wielen, Ratzel und Echtelerfeld war die Kinderzahl auf 319 mit 12 Lehrkräften angestiegen
Innerhalb von wenigen Monaten starben im Jahre 1970 beide ehemaligen Leiter der Schule Wilsum, Friedrich Leesmann und Thomas de Vries. Aber mit der Gemeindereform und der Entscheidung, sich zu einer Samtgemeinde Uelsen zusammen zu schließen, setzte eine Entwicklung ein, die das Ende unserer noch gar nicht so lange bestehenden Mittelpunktschule bedeutete. Sie hatte sich gerade zur größten Zufriedenheit der Wilsumer Bevölkerung entwickelt, das bedeutete nun den Abbau zu einer Grundschule.
In Uelsen wurde 1973 das neue Schulzentrum aufgebaut bestehend aus Orientierungsstufe, Hauptschule und Realschule. Der größte Teil der Lehrkräfte blieb vorerst in Wilsum. Rektor Eberhardt übernahm die kommissarische Leitung der Orientierungsstufe Uelsen und leitete die Schule bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1983. Bei der Wilsumer Schule begann der Abbau zu einer Grundschule. Die Leitung übernahm als Leiterin und Hauptlehrerin Fräulein Bielefeld. Mit ihr unterrichteten noch weitere 5 Kollegen in Wilsum. Schule wird besucht von den Grundschulkindern aus Wilsum, Wielen und Ratzel




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